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Online-Umfrage zu tatsächlichen Arbeitszeiten

Online-Umfrage zu tatsächlichen Arbeitszeiten


Etwa im Jahr 1875 wurde das Leben vieler Arbeitnehmer im Deutschen Reich deutlich leichter. Zwar mussten sie weiterhin sieben Tage pro Woche arbeiten, einen freien Sonntag gab es für viele nicht. Aber statt wie bislang 82 Stunden leisteten sie im Schnitt nur noch 72 Stunden pro Woche Dienst, also gut 10 Stunden pro Tag. Aufgrund der zunehmenden Industrialisierung wurde Arbeit aber knapp, und viele Arbeiter freuten sich darüber, so lange Arbeitswochen zu haben, anstatt arbeitslos zu sein.

In einer Online-Umfrage des DGB geben Angestellte Auskunft über ihre heutigen Arbeitszeiten. Das Gesetz schreibt in der Metallindustrie 35 Arbeitsstunden pro Woche vor, in vielen anderen Branchen ist nur geringfügig mehr vereinbart. Über einen längeren Zeitraum dürfen Arbeitnehmer nicht mehr als acht Stunden pro Tag arbeiten. Die Markt- und Meinungsforschung spielt eine wesentliche Rolle dabei, die Realität mit Regelungen abzugleichen, wie sie auf dem Papier existieren. Und unter dem Radar der Gesetze und Vereinbarungen hat sich der Arbeitstag vieler Arbeitnehmer um ein ganzes Jahrhundert zurückentwickelt.

Überstunden sind normal – normalerweise unbezahlt

Fast jeder dritte Arbeitnehmer mit einer Vollzeitstelle, so die seriöse Online-Umfrage, arbeitet mehr als 45 Stunden pro Woche. Anteilig sind davon mehr Männer als Frauen betroffen. Dies liegt auch daran, dass Führungskräfte, wie zu erwarten ist, vermehrt länger arbeiten (44% über 45 Stunden) und diese oft männlich sind. Auch unter den einfachen Angestellten bleiben aber 28% regelmäßig deutlich länger als vereinbart am Arbeitsplatz. Die wenigsten tun dies, um ein paar Euro zusätzlich zu verdienen, denn ein Drittel der Arbeitnehmer mit vielen Überstunden leisten diese auch noch unbezahlt. Von denen, die ihre vereinbarten Arbeitszeiten weitgehend einhalten, arbeitet nur jeder neunte teils ohne Gegenleistung, wie die bezahlte Umfrage zeigt.

Zur reinen Arbeitszeit kommt hinzu, dass immer mehr Menschen immer länger pendeln. Und die Online-Umfrage verdeutlicht, dass gerade diejenigen, die Überstunden leisten, sich auch noch besonders gestresst fühlen (70% im Vergleich zu 49% der im normalen Umfang Arbeitenden).

Die einen leisten ganze Arbeit, die anderen anderthalbfache

Lange Arbeitszeiten, unbezahlte Arbeit, Pendeln, Stress, Lohnsteigerungen langfristig unter der Inflationsrate – die seriöse Umfrage, die online durchgeführt wurde, beweist, dass wir in eine vordemokratische Zeit zurückgefallen sind. Dies hat nicht nur Einfluss auf die Gesundheit und die Lebensfreude der Betroffenen und ihrer Familien. Die Online-Umfrage zeigt auf, dass gerade Branchen besonders von Überstunden betroffen sind, in denen Aufmerksamkeit besonders wichtig ist, um schwere Unfälle zu vermeiden: 59% der Fahrzeugführer (also in erster Linie Lkw-Fahrer) leisten regelmäßig Überstunden, und dies trotz relativ strenger Kontrollen und Regeln.

Der Beitrag zur Marktforschung in Deutschland, den der DGB leistete, ruft die Politik auf den Plan. Die erhobenen Zustände sind langfristig schädlich. Jeweils mindestens 50% derjenigen, die viele Überstunden leisten, vernachlässigen dafür Freunde und Familie, verzichten auf Pausen oder können nicht mehr abschalten. Der Status Quo erzeugt eine kranke, ausgebrannte Gesellschaft. Diese Online-Umfrage alarmiert – hoffentlich nachhaltig.

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