« Zurück

Gleichberechtigung dank Markt- und Meinungsforschung

Gleichberechtigung dank Markt- und Meinungsforschung


„Du siehst das ganz falsch!“ - „Was, ich? Du bist ja völlig verbohrt!“ Es gibt Themen, die stark emotional geprägt sind. Risse laufen durch Familien, vergiften die Atmosphäre am Tisch in der Kantine, locken allabendlich das halbe Land als Publikum in Talkshows. Man denke nur an Fragen wie „Meer oder Berge?“ oder „Bayern oder Dortmund?“. Aber auch manch ernstere Themen können nur mühevoll versachlicht werden. Hierzu gehört die Gleichstellung von Frau und Mann, insbesondere im Arbeitsleben, deren Zustand die Mehrheit der Deutschen skeptisch sieht.

Um ein objektives Bild zu erhalten, führen staatliche Stellen, Forschungseinrichtungen und NGOs hierzu immer wieder seriöse bezahlte Umfragen oder Erhebungen durch. Ihre Ergebnisse werden im zumeist kleinen Rahmen publiziert, landen dann in einem Archiv, und nach einigen Jahrzehnten bemüht sich ein Archivar um ihre Konservierung. Es kommt aber vor, dass die Markt- und Meinungsforschung unmittelbare, greifbare Folgen für die Betroffenen hat.

Schweden: „Wie viel verdienen Sie? Hier ist Ihre Gehaltserhöhung“

Fehlende Transparenz liegt manchem Missstand zugrunde, und Befragungen bringen Licht ins Dunkel. Im Jahr 2006 führte die schwedische Ombudsstelle für Gleichstellung eine Umfrage unter mehr als 1.000 meist größeren Betrieben durch. Die Online-Umfrage war groß angelegt und umfasste etwa 20% der schwedischen Arbeitnehmerinnen. 44% der beteiligten Firmen erkannten im Rahmen der Umfrage Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern, die nicht durch die Leistung der Arbeitnehmer erklärt werden konnten.

Die Folgen waren erstaunlich. In Schweden gibt es eine strenge Gesetzgebung, die Unternehmen, die sich nicht hinreichend für Gleichberechtigung einsetzen, finanziell bestraft. Firmen, die im Rahmen der Befragung bei sich Missstände ausmachten, waren also gezwungen zu reagieren. Sie zahlten Frauen anschließend im Durchschnitt 100 Euro mehr Gehalt – eine Erhöhung von etwa 4%. Hier wirkte sich die Empirie direkt auf die Zustände, die sie beschrieb, aus.

Deutschland – Frau am Herd ist Goldes wert?

Solche unmittelbaren Auswirkungen hatten die Studien und Umfragen online, die in Deutschland durchgeführt wurden, bislang nicht. Der „Gender-Datenreport“, der vom zuständigen Bundesministerium herausgegeben wird, stützt sich auf vorhandenes Datenmaterial aus Befragungen und Statistiken. Unter den europäischen Staaten nehmen Deutschland und Österreich mit die letzten Plätze ein, wenn es um die Gleichheit von Einkommen für die gleiche Menge Arbeit geht. Rechnet man das egalitärer verfasste Ostdeutschland heraus, schaut es noch schlimmer aus: In Vollzeit arbeitende Frauen verdienen nur 76% des Gehalts, das Männer einstreichen. Wenn in einer Ehe Mann und Frau also den gleichen Beruf ausüben, kann der Mann 24% seines Lohns in der Kneipe auf den Kopf hauen, während die Frau bereits zu Hause kocht, und beide tragen immer noch den gleichen Anteil zum Haushaltsgeld bei.

Solange die politischen Rahmenbedingungen also nicht wie etwa in Schweden Veränderungen stützen und einfordern, laufen Studien und bezahlte Umfragen ins Leere. Die Transparenz, die sie herstellen, sorgen aber zumindest für objektive Argumente in einer emotionalen Diskussion, die uns noch Jahrzehnte begleiten wird.

« Zurück

Registrieren Sie sich noch heute!

ODER DIESES FORMULAR AUSFÜLLEN
Geschlecht auswählen
Ich habe die Datenschutzrichtlinie und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen und verstanden und stimme diesen zu. Ich verstehe, dass ich, um von diesem Service zu profitieren, E-Mails über relevante Umfragen und Mitgliedschaftsaktualisierungen erhalten werde.
Ich gewähre die Erhebung, Nutzung und Weitergabe meiner Profildaten zum Zweck der Teilnahme an Marktstudien. Sie können diese Zusage jederzeit widerrufen.